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Ausstellung Bild des Monats Exposition

Bild des Monats September 2021

Der Hosensack – eine Annäherung an die Ausstellung waste-art

Als kleiner Junge war der Hosensack meine grosse kleine Welt. In ihm verbargen sich meine Schätze und Geheimnisse, meine Träume und Sehnsüchte.

Steine, Blätter, Holz, aber auch Karton- und Papierresten waren für mich wertvolle Schätze,
die ich in meinem Hosensack stets wie in einem Kokon, sorgsam und geschützt, aufbewahrte.

Jugendbild Georg Marbet, Hosensack
Jugendbild Georg Marbet

Der Fundus meiner Kostbarkeiten barg jedoch auch Gefahren: Durch die pralle Füllung meiner Hosensäcke wurden die feinen Stoffnähte oft arg strapaziert – und so geschah es nicht selten:

Eingezwängt in den engen Platzverhältnissen, arbeitete sich das gesamte Sammelsurium beharrlich an den feinen Stoffnähten vor, bis ihm ein Erfolg durch ein klitzekleines Loch beschieden war!

Jetzt wurde es spannend …

Je nach Inhalt kam es in meinem Hosensack zu unliebsamen Überraschungen und leider nicht selten zu einem Supergau:
Stufe 1 war der Verlust eines geliebten Schatzes, der sofort wieder ersetzt werden musste.
Stufe 2 war eine mühsame Angelegenheit. Klebrige und eingetrocknete Saftspuren von eingelagerten «Fruchtznünis» mussten schmerzhaft von meiner weichen Kinderhaut geschrubbt werden.
Stufe 3 war der Supergau, verursacht durch einen Attentäter mit grosser nachhaltiger Wirkung: Ein Stück Rande als Znüni, eingewickelt in mehrere Lagen Haushaltpapier, um Verfärbungen in meinem Hosensack zu vermeiden, kam versehentlich in die Wäsche. Auf dem Weg in die Waschmaschine wurde das vitaminreiche, leicht süsslich schmeckende «Geschöpf» nicht entdeckt. Beim Schleudern in der Waschmaschine lief die Rande zur Höchstform auf und entwickelte ihre volle Leucht- und Farbkraft auf alle Wäschestücke.

Die neuesten und vor allem weissen Kleidungsstücke meiner Mutter waren dankbares Opfer meines Hosensack-Attentäters. Die Verfärbungen und die faszinierenden Strukturen waren für mich ein optischer Traum und für meine Mutter ein Trauma!

Jugendbild Georg Marbet, Hosensack
Jugendbild Georg Marbet

Wenn ich heute auf die Zeit zurückblicke, stand nicht das HABEN der Fundstücke im Vordergrund, sondern die Tätigkeit des Sammelns und Erforschens. Das Entdecken bezaubernder Bilder in den Materialien faszinierte und bewegte mich.
Das kindliche Staunen als sinnliche Erfahrung schärfte (und verfeinerte) früh meine Wahrnehmung.
Das SEHEN ist oberflächlich, das WAHRNEHMEN ist die verfeinerte Form des SEHENS, das Berühren ist das Empfinden mit allen SINNEN.

Das Staunen ist mir als Geschenk seit meiner Kindheit erhalten geblieben.
ICH STAUNE, ALSO BIN ICH! Auch heute noch!

Immer wieder entdecke ich unscheinbar verborgene Qualitäten in belanglosen und abgegriffenen Materialien und Gegenständen. Auch in einem Rest Abwaschmittel und in Abfällen unseres Alltags liegen oft zauberhafte visuelle Schätze verborgen – es liegt an mir, diese freizulegen! Die Lust und Faszination, im scheinbar WERTLOSEN Neues zu entdecken, erinnern mich jetzt an das kindliche Staunen über meine frühen Fundstück-Schätze.
Der Ursprung dazu liegt im Fundus des Hosensacks des kleinen Jungen, als die Ideen geboren wurden und nun in langem Gärungsprozess heute wieder schöpferisch zum Ausdruck kommen. Die prozesshafte Entwicklung hat erst begonnen, und ich bin gespannt, welche Überraschungen der Hosensack für mich noch bereithält.

Dank an meinen Vater Justin, der mich mit seinem Ideen-Reichtum beschenkte und meiner Mutter Lorly, die dem Hosensack-Attentäter meist vergab.

Georg Marbet, 30.8.2021


Zofinger Tagblatt: Wundersame Phänomenologie des Abfalls

«Abfälle fallen ab. Georg Marbet fallen sie zu. Der Architekt aus Zofingen modelliert Abfallpapier, einen Rest Spülmittel oder eine Spritzkanne mit Sonne, Licht und Schatten zu Raumskulpturen. Seine grossformatigen Fotografien stellt er erstmal aus.»

Zofinger Tagblatt vom 31. August 2021: Wundersame Phänomenologie des Abfalls
Zofinger Tagblatt vom 31. August 2021: Wundersame Phänomenologie des Abfalls
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Bild des Monats: May 2021

flame

flame

projection of the sun’s rays through a rest of dishwashing detergent
Projektion der Sonnenstrahlen durch einen Rest Abwaschmittel

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Bild des Monats: January 2021

Swiss Federal Council photo 2021, reduce to the max

reduce to the max, Bundesrat, Swiss Federal Council

Ueli Maurer (over 70 years) on toilet …

… und hier zum aktuellen, korrekten Gruppenbild des Bundesrats: «Neue Sicht auf Altbekanntes» (mit Ueli Maurer)